Ein Inspektor kommt von J. B. Priestley

Das Stück würde ich wirklich gern mal im Theater sehen. Das wusste ich nach der Lektüre.

Ich hatte keinerlei Erwartungen an dieses Theaterstück von 1946. Okay, einen Krimi mit irgendeiner Ermittlung (wieso sollte sonst der Inspektor kommen?). Und ich wurde echt  überrascht. Positiv.

Die handelnden Figuren, so wenig man über sie zu Beginn weiß, entwickeln sich zu ausgeklügelten Charakteren. Die nicht nur die Gesellschaft des Jahres 1912 widerspiegeln, sondern auch die zukünftigen politischen Konstellationen im Kopf heraufbeschwören. Arbeiter gegen Aristokratie. Kommunistische Ideen gegen Kapitalismusideale. Die Dialogie sind so auf den Punkt gebracht, dass ich sie schon wegen der Beschreibungen und in sich tragender Kritik liebte.

Der Fall an sich ist super! So viele Kehrtwenden, unerwartete Fakten. Und über allem schwebt die Frage der Schuld. Nicht nur an dem Selbstmord einer jungen Frau, sondern an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen. Wie viel Schuld trägt ein jeder, dass es Benachteiligte, Bevorteilte, Reiche und Arme gibt?

Ich empfehle jedem dieses Buch, der Krimis mag und von Zeitgeschichte und politischen Theorien (die eben auch versucht wurden in die Tat umzusetzen) fasziniert ist. Und dann rate ich jedem ins Theater zu gehen. Ich warte leider noch, bis es endlich hier in Wien aufgeführt wird 😀

„Ein Inspektor kommt“ von J. B. Priestley, Philipp Reclam jun. Stuttgart, ISBN 978-3-15-018452-3

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