Caraval von Stephanie Garber

+1. Das war das erste Buch, wegen dem ich schwach geworden bin und mir ein Buch gekauft habe. Trotz Buchkaufverbots, weil ja eh noch so viel auf meinem SuB liegt.

Und ganz ehrlich: Ich bin echt enttäuscht von mir, dass ich wegen DIESEM Buch Schwäche gezeigt habe.

Das Grundgerüst der Geschichte ist okay und eigentlich ganz interessant. Mit einer magischen Insel, wo jedes Jahr ein Spiel stattfindet und zu dem nur bestimmte Leute eingeladen werden. Cool. Aber der Rest?

Und damit meine ich nicht nur die Figuren, die allesamt höchst eindimensional (wie aus dem Lehrbuch), blass, gekünstelt emotional affektiert und total oberflächlich wirken. So kamen sie mir vor. Da war die Vorsichtige, die ihre kleine Schwester immer beschützen will und sich selbst auch nur jemanden wünscht, der sie beschützt. Die Schwester, natürlich das genaue Gegenteil (die am Ende auch eine andere Seite zeigt, aber sorry, die kam nicht echt rüber, das hatte keine Tiefe). Der böse, gewalttätige Vater, der seine Töchter schlägt, sobald sie sich ihm widersetzen. Der geheimnisvolle Typ, der zum Loverboy und Held wird. Usw, usw.

Die Figuren versuchen alle mehr zu sein als das, aber sie schaffen es nicht. Und deshalb bleibt diese Eindimensionalität im Kopf zurück. Die Autorin will eine Tiefgründigkeit hineinbringen, Intrigen, Geheimnisse, verstellte Persönlichkeiten. Aber es ist nicht authentisch. Es wird beschrieben, aber nicht gezeigt. Man liest es, aber erlebt es als Leser nicht. Das ist das Problem.

Liegt das an mir, weil ich keine 13 mehr bin, dass ich diese Art von Figuren schrecklich finde? Dass ich schon ein paar mehr Bücher gelesen habe, dass ich diese Figurenkonstellationen einfach nur unglaublich fad finde??? Mich nicht auf so wenige Eigenschaften beschränken lassen will und mich daher einfach nicht mit den Figuren identifizieren kann?

Teils vielleicht schon, aber teils – nein! Mädels, die meinen, dass sie sich einen Mann wünschen, der sie nicht nur hübsch findet, sondern der sie auch beschützt und sich um sie kümmert?!? Wie mittelalterlich ist das denn? Schon mal was von Witz, Respekt und Intelligenz gehört – könnte das auch eine Rolle spielen? Mit diesen reinen „Beschütz-mich“-Charakteren konnte ich mich noch nie identifizieren. Das ist ja Abhängigkeit hoch Drei! Sorry.

Und daneben war es vor allem der Schreibstil, den ich oft echt schlecht fand. Da gibt es ständig irgendwelche Adjektive und Anmerkungen, die meiner Meinung nach überhaupt nicht reinpassen und wirklich nur Platzfüller sind (oder zeigen sollen, welch tolle Beschreibungen die Autorin kreiert???). Und Farben – ich habe noch nie sooo viele Farbcharakteristika gelesen, die am Ende richtig genervt haben, dass ich nur noch drübergelesen habe.

Beispiel gefällig? Gern:

„Scarletts Gefühle strahlten sogar noch bunter als sonst. Das drängende Rot glühender Kohlen. Das eifrige Grün frisch keimenden Grases. Das ungestüme Gelb der Federn eines flatternden Vogels.“ (S.16)

„Scarlett hatte eine smaragdgrüne Vorahnung, dass sie darin etwas finden würde.“ (S. 270)

Die ganzen Klamottenbeschreibungen erwähne ich erst gar nicht – die haben mich schon bei Tribute von Panem genervt. Scheint gerade IN zu sein in den Jugendbüchern aus Amerika …

Aber eines muss ich noch hinzufügen: Daneben gab es zu allem Überfluss auch noch so etwas wie „seichten Jugend-Herz-Ras-Porno“ – so habe ich das mal genannt. Denn sowas wie

„Er (…) zog die für ihn bestimmten Kleider vom Bügel. Dann löste er den Gürtel seiner Hose. „Willst du mir beim Ausziehen zuschauen? Mir macht das nichts aus.““ (S.66)

oder

„Gekränkt zog er die Brauen zusammen. „Ich versuche nur, dich warm zu halten.“ „Aber du bist auch eiskalt …“ Und praktisch nackt. “ (S. 62)

haben mich erstmal nur zum Lachen gebracht.  Ich weiß, das ist jetzt aus dem Zusammenhang gerissen und unfair. Aber so hat es auf mich gewirkt. Und hat weder was mit der Handlung zu tun, noch irgendwas vorangebracht. Und dieser halbnackte Typ in Caraval, der mit Hilfe seiner Tattoos am ganzen Körper die Zukunft voraussagt … okay.

Ich war echt enttäuscht von dem Buch. Das Cover ist schön, der Titel auch. Die Grundidee hat Potential. Aber die Umsetzung, das war so gar nicht meins. Und deshalb bin ich schwach geworden und habe das Buchkaufverbot gebrochen … enttäuschend 😦

 

„Caraval“ von Stephanie Garber, Piper Verlag, 2017, ISBN 978-3-492-70416-8

 

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jemima sagt:

    Danke! Ich hatte mit dem Buch geliebäugelt, weil über Twitter so begeistert von denn Buch geschrieben wurde. Da mein SuB in den letzten Monaten gewachsen ist, werd ich das Buch nun definitiv von meiner „Kauf-ich-vielleicht-Liste“ streichen 🙂

    Viele Grüße

    Jemima

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    1. ankeharnisch sagt:

      Jaaa … ich wurde auch durch Twitter in Versuchung geführt … aber manchmal braucht man das, um sich dann wieder voller Hingabe seinem SuB zu widmen 😀

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  2. Wirklich sehr schade, dass es dann ausgerechnet so ein Fehlgriff geworden ist. Habe es auch bislang nicht weiter beachtet, da es mir zu sehr gehypt wird. Danke für deine gut begründete Bewertung die mir wieder einmal bestätigt, die Finger von solchen Büchern zu lassen.

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    1. ankeharnisch sagt:

      Ja, ich hoffe, dass das 2., das ich damals auch gekauft habe, besser ist… 🙂

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  3. Huhu,
    schade, dass das Buch für dich so eine Enttäuschung geworden ist.
    Bin immer noch überrascht, wie sehr das Buch doch anscheinend polarisiert. Bisher habe ich irgendwie nur Rezensionen gelesen, die es entweder in den Himmel loben oder total negativ bewerten.
    (Noch) steht es auf meiner WuLi, aber nicht wirklich an erster Stelle. Bei den Zitaten, die du gepostet hast, bin ich sogar am überlegen, ob es wirklich auf die WuLi gehört. Klingt nicht so toll…
    Falls es sich mal in mein Bücherregal schleicht (und es vom SuB) schafft, bin ich selbst mal gespannt,zu welchem der beiden Lager ich tendiere 😉

    LG Sarah

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