Politisches Framing von Elisabeth Wehling

Sprache ist Macht. Das wusste ich schon und als ehemalige Linguistik-Studentin war ich neugierig auf dieses Buch. Denn wo Macht ist, ist Politik nicht weit entfernt – oder andersherum?

Elisabeth Wehling gibt echt einen guten Einblick in die Kognitionsforschung. Sie erklärt erstens gut, d.h. mit einfachen Worten, und zweitens auch anhand von Beispielen, wie wir alle in Frames denken, sobald wir ein Wort hören. Also in so genannten Deutungsrahmen. Das klingt kompliziert, ist es eigentlich nicht. Und nur, damit man es sich besser vorstellen kann, hier ein kleines Beispiel:

Lies den Satz: „Der Vogel ist am Himmel.“

Wenn ich dich jetzt bitten würde, ein Bild von diesem Vogel zu malen, dann wäre das zu fast 100% ein Vogel mit ausgestreckten Flügeln, weil er ja fliegen muss, wenn er am Himmel ist. Und genau das ist der Deutungsrahmen. Aufgrund unserer Erfahrung wissen wir, dass der Vogel so aussehen muss, wenn er Himmel ist.  Aber es stand nicht wirklich da.

Und von solchen simplen Beispielen aus, taucht Elisabeth Wehling in die deutschsprachige Politiksprache, wie sie u.a. in Medien verbreitet wird, ein. Und das ist echt interessant! Manches klingt weit hergeholt und übertrieben, aber das Buch lieferte mir nicht nur einen Denk-Anstoß, sondern schubste mich regelrecht von der Straße hinauf auf eine Bordsteinkante, von der ich zum ersten Mal darüber nachdachte, WELCHE Worte wir überhaupt nutzen, um gesellschaftliche Phänomene zu beschreiben. Wie den KlimaWANDEL oder den FlüchtlingsSTROM oder die SteuerLAST oder unser STARKES/SCHWACHES Einkommen.

Viele Studien, die erwähnt werden, waren mir ein bisschen zu kurz angeschnitten, weshalb ich die dargestellten Ergebnisse gleich hinterfragte. Aber ich vertraue hier einfach mal der Autorin und wenn ich es genau wissen will, kann ich ja die genannte Studie lesen.

Ich finde dieses Buch wirklich gut und es ließ mich richtig über unsere Sprachwahl nachdenken – egal, oder vor allem, von welchen politischen Lagern welche Bilder herangezogen werden. Und das nächste Mal, wenn ich eine Diskussion zu einem politischen Thema erlebe, dann werde ich definitiv hinterfragen und vielleicht sogar ansprechen, wie stark unser Denken, unsere Meinung und sogar unser Handeln von dieser Sprache abhängt. Denn eines ist klar: Sprache ist Macht. Und manchmal mehr, als man glaubt.

 

„Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ von Elisabeth Wehling, Edition Medienpraxis, 2016, ISBN 978 3 86962 208 8

Umschlaggestaltung: Claudia Ott, Düsseldorf

Umschlagfoto: Fotolia

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